Eine Keramikfigur ist nicht einfach nur eine Keramikfigur
Ein Vogel aus Keramik kann vieles sein.
Naturgetreu oder fast abstrakt. Farbenfroh oder gedämpft. Industriell gefertigt oder von Hand dekoriert. Ein kleines Ornament, ein Sammlerobjekt oder eine echte Skulptur im Raum.
Bei Les Céramiques de Lussan ist der Ausgangspunkt bemerkenswert einfach.
Ein Perlhuhn.
Eine Wachtel.
Ein kleines Huhn.
Hinter den einfachen Formen stecken aber Jahrzehnte der Arbeit mit Proportionen, Glasuren, Farben und Handwerk – und eine keramische Tradition, die seit den 1970er-Jahren im selben Familienatelier weitergeführt wird.
Genau deshalb haben wir Les Céramiques de Lussan für Rune-Jakobsen Design ausgewählt.
Nicht, weil sie versuchen, den detailliertesten Keramikvogel zu fertigen – sondern weil sie fast alles Überflüssige entfernt haben.
Die Geschichte beginnt mit Heidi Caillard
Heidi Caillard wurde 1932 in Basel in der Schweiz geboren. Von 1949 bis 1954 studierte sie Kunst an der Kunstgewerbeschule Basel und setzte 1962 ihre Ausbildung an der Keramikschule in Lausanne fort.
1968 ließ sie sich in Blauzac bei Uzès in Südfrankreich nieder und eröffnete eine kleine Keramikwerkstatt mit angeschlossener Ausstellung.
1971 kauften Heidi und ihr Mann Daniel Caillard ein heruntergekommenes Landgut in Lussan. Mitten in der umfassenden Restaurierung zogen Werkstatt und Laden 1974 dorthin.
Das war der Beginn der Werkstatt, die heute als Les Céramiques de Lussan bekannt ist.
Das Perlhuhn begann nicht als Produkt
Die bekannteste Figur ist ohne Zweifel Pintade – das Perlhuhn.
Die Idee entstand bei Heidi schon während des Studiums. Echte Perlhühner lebten zugleich in ihrem eigenen Garten, und der charakteristische Körper und das Gefieder des Vogels wurden zum Ausgangspunkt der keramischen Interpretation.
Die endgültige Form kam aber nicht sofort.
Nach der eigenen Geschichte der Werkstatt erforderte die Entwicklung lange Phasen mit Skizzen, Aufbau, Abbruch und neuen Versuchen, bis die Proportionen die gewünschte Balance hatten.
Das ist interessant, weil die Pintade auf den ersten Blick fast selbstverständlich wirkt.
Ein runder Körper.
Ein kleiner Kopf.
Ein kurzer Hals.
Zwei Beine.
Aber gerade wenn eine Form so stark reduziert wird, werden die Proportionen entscheidend.
Es gibt sehr wenig, hinter dem sich eine schlechte Linie verstecken ließe.
Stilisiert statt naturgetreu
Viele keramische Tierfiguren versuchen, Fell, Federn, Augen und anatomische Details so naturgetreu wie möglich wiederzugeben.
Les Céramiques de Lussan gehen in die entgegengesetzte Richtung.
Die Pintade ist eindeutig ein Perlhuhn, versucht aber nicht, jedes einzelne Merkmal des lebenden Vogels nachzuahmen.
Der Körper ist auf ein ruhiges Volumen reduziert.
Der Hals auf eine einfache Linie.
Der Kopf auf fast einen grafischen Punkt.
Der charakteristische Federeindruck entsteht nicht durch modellierte Federn, sondern durch die Mouchetage der Oberfläche – die gepunktete Dekoration.
Das gibt den Vögeln eine besondere Fähigkeit, in sehr unterschiedlichen Interieurs zu funktionieren.
Sie sind figurativ, ohne naturalistisch zu werden.
Dekorativ, ohne ornamental zu werden.
Und humorvoll, ohne zur Karikatur zu werden.
Der Vergleich mit Lladró zeigt den Unterschied deutlich
Das spanische Lladró steht für eine ganz andere – und sehr beeindruckende – Tradition keramischer Figurenkunst.
Lladrós Figuren werden aus Porzellan in der Werkstatt des Unternehmens in Valencia gefertigt. Die Produktion umfasst aufwendige Modellierung, Gießen, manuelle Montage, Handbemalung und eine Palette von mehreren tausend Farben. Komplexe Modelle können aus hunderten separaten Teilen bestehen.
Das ist ein extrem detaillierter Ansatz.
Lussan macht fast das Gegenteil.
Wo Lladró oft Details, Erzählung und technische Komplexität sucht, sucht Lussan die Silhouette.
Der Vogel muss mit wenigen Linien erkennbar sein.
Keiner der Ansätze ist zwangsläufig besser.
Sie stehen nur für zwei sehr verschiedene Vorstellungen davon, was eine Keramikfigur sein kann.
Handgefertigt heißt nicht unbedingt rustikal
Der Begriff handgefertigt wird sehr breit verwendet.
Bei Les Céramiques de Lussan bedeutet er nicht, dass jeder Vogel ganz von Grund auf ohne jedes Produktionssystem modelliert wird.
Die Werkstatt hat die Fertigung über die Jahre so strukturiert, dass die Figuren konsistent produziert und international geliefert werden können.
Als der Sohn Adrien Caillard 1994 den Betrieb übernahm, organisierte und rationalisierte er unter anderem Produktion und Verpackung.
Nach Angaben des Unternehmens wurden aber die manuellen Prozesse, die das Objekt selbst direkt betreffen, beibehalten.
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Handwerk muss nicht bedeuten, dass jedes Produkt ohne Methode beginnt.
Es bedeutet, dass der Mensch weiterhin eine entscheidende Rolle im fertigen Ergebnis spielt.
Vom roten Ton zum fertigen Vogel
Die Werkstatt beschreibt den Prozess selbst als von der Erde zum Objekt.
Ausgangspunkt ist roter Ton, der in der Werkstatt zu Tieren, Figuren und verschiedenen Keramikgegenständen verarbeitet wird. Die Produktion findet weiterhin in der Werkstatt bei Lussan statt.
RJDs Pintade, Caille und Poulette werden aus Ton geformt und mit Glasur und Handdekoration fertiggestellt.
Vor allem der letzte Teil gibt den Vögeln ihren individuellen Charakter.
Mouchetage – die Punkte sind nicht bloß Dekoration
Das natürliche Gefieder des Perlhuhns ist voller kleiner heller Punkte.
Bei Les Céramiques de Lussan wird dieses Merkmal auf die charakteristische Mouchetage reduziert.
Kleine Markierungen werden über die Grundfarbe gelegt und erzeugen das Muster, das zu einem der wiedererkennbarsten Kennzeichen der Werkstatt geworden ist.
Weil die Dekoration von Hand ausgeführt wird, sind die Punkte nie ganz gleich.
Sie sitzen nicht an exakt derselben Stelle.
Sie haben nicht dieselbe Größe.
Und die Farbe kann von Vogel zu Vogel leicht variieren.
Der Hersteller weist deshalb selbst darauf hin, dass Produktfotos nur zur Orientierung dienen: Die Handarbeit bedeutet, dass Farben wie Mouchetage variieren können.
Das ist nichts, was man aussortieren sollte.
Es ist gerade Teil des Produkts.
Zwei gleiche Vögel sind nicht ganz gleich
Bei industriell gefertigten Produkten ist das Ziel normalerweise, Variation zu reduzieren.
Produkt Nummer 5.000 sollte aussehen wie Produkt Nummer 5.
Bei handgefertigter Keramik kann Variation eine Qualität sein.
Zwei Pintades in derselben Größe und Farbkombination werden einander ähneln.
Stellt man sie aber nebeneinander, entdeckt man in der Regel kleine Unterschiede in Glasur, Muster und Ausdruck.
Das reicht, damit der Vogel als individuelles Objekt erlebt wird, ohne dass die Identität des Designs verloren geht.
Das ist eine Balance, die wir bei Rune-Jakobsen Design mögen.
Wiedererkennbares Design – ohne industrielle Gleichförmigkeit.
Die Pintade von Les Céramiques de Lussan bei Rune-Jakobsen Design ansehen
Die Farbe verändert die ganze Figur
Eine der Stärken der sehr einfachen Form ist, dass die Farbe ungewöhnlich große Bedeutung bekommt.
Dieselbe Pintade kann in hellem Grund mit kobaltblauer Mouchetage fast klassisch wirken.
In Terrakotta mit hellen Markierungen bekommt sie einen weit erdigeren Ausdruck.
Schwarz, Grau, Bordeaux, Grün und Blau können den Charakter erneut verändern.
Die Werkstatt arbeitet zudem mit traditionellen wie matten Oberflächen. Der Hersteller beschreibt mehrere der matten Versionen als Möglichkeit, klassischen Farbkombinationen einen zeitgemäßeren Ausdruck zu geben.
Die Form ändert sich nicht.
Das Objekt aber schon.
Deshalb funktionieren die Vögel auch in modernen Räumen
Das ist vielleicht eine der interessantesten Eigenschaften von Lussan.
Die Geschichte ist französisch und ländlich.
Das Motiv ist ein Vogel vom Bauernhof.
Das Material ist Keramik.
Und die Produktion hat ihre Wurzeln in den 1970er-Jahren.
Trotzdem kann eine Pintade ganz natürlich auf einem minimalistischen Sideboard, einer modernen Kücheninsel oder einem schlichten Wandregal stehen.
Das liegt aus unserer Sicht vor allem an der grafischen Form.
Es gibt nicht viel dekoratives Rauschen.
Aus der Distanz liest man zuerst die Silhouette.
Dann die Farbe.
Erst wenn man näher kommt, entdeckt man die Variationen in Glasur und Mouchetage.
Pintade – die Ikone
Die Pintade ist die Figur, die mehr als jede andere mit Lussan verbunden wird.
Bei Rune-Jakobsen Design gibt es sie sowohl in der klassischen aufrechten Haltung als auch in einer Version, in der der Vogel vornübergebeugt pickt.
Die verschiedenen Höhen machen es möglich, einen Vogel als einzelnes Objekt zu nutzen oder mehrere Größen zu kombinieren.
Eine große Pintade kann fast wie eine kleine Skulptur wirken.
Mehrere zusammen erzeugen etwas anderes.
Dann beginnen sie, wie eine kleine Schar auszusehen.
Die Pintade-Kollektion ansehen
Caille – die kleinere Wachtel
Caille ist die Wachtel der Werkstatt und hat dieselbe reduzierte Formensprache wie die Pintade, nur in kleinerem Format.
Das macht sie leichter zu platzieren – auf kleineren Regalen, in Fensterbänken oder zusammen mit anderen Objekten.
Bei RJD gibt es die Caille in aufrechter und vornübergebeugter Haltung sowie in verschiedenen handdekorierten Farbkombinationen.
Eine einzelne funktioniert als dezentes Objekt.
Drei oder fünf zusammen werden fast zu einer Komposition.
Und weil die Dekoration von Vogel zu Vogel variiert, wird eine Gruppe nie völlig einheitlich.
Die Caille von Les Céramiques de Lussan ansehen
Poulette – eine weitere Interpretation derselben Formensprache
Poulette ist das kleine Huhn der Serie.
Auch hier ist die Anatomie auf wenige erkennbare Elemente reduziert, während Glasur und handgemalte Markierungen Charakter geben.
Bei Rune-Jakobsen Design gibt es die Poulette in mehreren Größen und Farben, von dezenten naturweißen Varianten bis zu dunkleren oder bordeauxfarbenen Modellen.
Pintade, Caille und Poulette sind keine identischen Variationen derselben Form.
Sie teilen aber eine deutliche visuelle Sprache.
Das macht sie interessant zu kombinieren.
Die Poulette von Les Céramiques de Lussan ansehen
Les Céramiques de Lussan gegen Quail Ceramics
Das britische Quail Ceramics ist ein weiterer interessanter Vergleichspunkt.
Quail arbeitet ebenfalls mit handbemalten Tieren und Vögeln, der Ansatz ist aber deutlich naturalistischer und oft funktional.
Das Sortiment umfasst unter anderem tierförmige Vasen, Kannen, Eierbecher, Salz- und Pfeffersets und Dosen. Die Produkte werden in Großbritannien entworfen, während das Unternehmen für Brand und Handbemalung mit Familienbetrieben in Thailand und Sri Lanka zusammenarbeitet.
Quail lässt oft Details und Persönlichkeit des Tieres dominieren.
Lussan reduziert sie.
Bei Quail kann ein Hase immer noch deutlich einem bestimmten Hasen ähneln.
Bei Lussan nähert sich der Vogel einem Symbol.
Es ist diese Reduktion, die Lussans Formensprache so wiedererkennbar macht.
Les Céramiques de Lussan gegen Bordallo Pinheiro
Auch Portugal hat eine lange Tradition keramischer Tiere.
Rafael Bordallo Pinheiros keramisches Universum aus Caldas da Rainha ist voller Fische, Vögel, Frösche, Schlangen, Insekten, Gemüse und Blumen.
Hier wird bewusst mit modellierten Reliefs, Oberflächenstruktur und oft einem fast überwältigenden Naturalismus gearbeitet.
Das ist keramische Erzählfreude.
Lussan ist etwas anderes.
Wo Bordallo ein ganzes keramisches Universum um Blätter, Tiere und Strukturen bauen kann, lässt sich Heidi Caillards Pintade fast auf eine einzige durchgehende Kurve reduzieren.
Beide Traditionen gehen von der Natur aus.
Sie enden an sehr verschiedenen Orten.
Beschränkung kann eine Stärke sein
Les Céramiques de Lussan hätte natürlich hunderte verschiedene Tiere entwickeln können.
Das hat die Werkstatt nicht getan.
Das Sortiment ist breiter als nur die drei Vögel, aber die Pintade ist weiterhin das klare Zentrum der Identität des Unternehmens. Der offizielle Shop führt heute eine sehr umfangreiche Auswahl an Pintades in verschiedenen Größen, Farbkombinationen und Oberflächen.
Das ist aus unserer Sicht eine Stärke.
Designidentität entsteht nicht zwangsläufig dadurch, ständig etwas Neues zu erfinden.
Manchmal entsteht sie dadurch, mit derselben Form weiterzuarbeiten, bis sie ohne Logo erkennbar ist.
Eine Pintade von Lussan braucht keine große Marke an der Seite.
Man sieht, was sie ist.
Von der kleinen Werkstatt zum international bekannten Design
Als Adrien Caillard 1994 die Arbeit übernahm, wurden Produktion und Verpackung so strukturiert, dass die Keramiker professionelle Kunden beliefern konnten.
Die Teilnahme an der Maison & Objet in Paris und viele Jahre Berichterstattung in Interior- und Designmedien trugen dazu bei, die kleine Werkstatt international bekannt zu machen.
2000 wurde die Werkstatt um weitere rund 200 m² erweitert.
Die Produktion bleibt aber an das Atelier bei Lussan gebunden, und das Unternehmen beschreibt die Fertigung weiterhin als handwerklich.
Es ist genau die Balance zwischen Wiederholung und Handarbeit, die die Produkte interessant macht.
Es werden viele Pintades gefertigt.
Aber sie werden nicht vollständig identisch.
Warum Les Céramiques de Lussan bei Rune-Jakobsen Design?
Es gibt hervorragende keramische Figurenkunst von vielen Herstellern.
Lladró zeigt, wie technisch detailliert und raffiniert handgefertigtes Porzellan sein kann.
Bordallo Pinheiro steht für die expressive, naturalistische Tradition portugiesischer Figurenkeramik.
Quail Ceramics verbindet handbemalte Tiere mit Humor und funktionalen Alltagsobjekten.
Les Céramiques de Lussan interessieren uns aus einem anderen Grund.
Sie haben eine sehr einfache Idee genommen und über Jahrzehnte verfeinert.
Der runde Körper.
Der kleine Kopf.
Die charakteristische Silhouette.
Die Farbe.
Und die handgemalte Mouchetage.
Viel mehr ist da fast nicht.
Aber mehr braucht es auch nicht.
Das passt gut zu unserem eigenen Zugang zu Produkten bei Rune-Jakobsen Design:
Das Material soll sichtbar sein.
Das Handwerk darf spürbar sein.
Und ein Objekt muss nicht kompliziert sein, um Charakter zu haben.
Handgefertigt in Frankreich. Kleine natürliche Variationen. Eine Form, die zur Ikone geworden ist.
Die gesamte Les-Céramiques-de-Lussan-Kollektion bei Rune-Jakobsen Design ansehen
Quellen und weiterführende Lektüre
- Les Céramiques de Lussan – Geschichte der Werkstatt, Heidi und Adrien Caillard sowie die Entwicklung der Pintade.
- Les Céramiques de Lussan – offizielle Beschreibung der handwerklichen Produktion in der Werkstatt bei Lussan.
- Les Céramiques de Lussan – Produktinformationen zu handgefertigten Pintades, Farben, Mouchetage und natürlichen Variationen.
- Rune-Jakobsen Design – Pintade, Caille, Poulette und die Les-Céramiques-de-Lussan-Kollektion.
- Lladró – offizielle Beschreibung der handgefertigten Porzellanproduktion, Modellierung, Guss, Montage und Handdekoration in Spanien.
- Quail Ceramics – eigene Beschreibung des Unternehmens zu Design, Handbemalung und Produktion mit Familienbetrieben in Thailand und Sri Lanka.
- Museu Bordalo Pinheiro – die Geschichte der naturalistischen und figurativen keramischen Tradition Rafael Bordallo Pinheiros.
Lesen Sie auch
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